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Verkostungsbericht · Nosing & Tasting

Mystery Tasting im Mai

Drei Whiskys, ein gemeinsames Fassgeheimnis — unser Mai-Tasting im Brauhaus am Waldschlösschen stand ganz im Zeichen des Amarone-Fasses.

Im Brauhaus am Waldschlösschen hieß es im Mai: erst probieren, dann erfahren. Beim „Mystery Tasting“ wusste niemand vorab, welche drei Abfüllungen im Glas landen würden — und noch weniger, dass sie ein gemeinsames Geheimnis teilten: Alle drei hatten ihre letzte Reifephase in einem Amarone-Fass verbracht.

Die Auswahl im Glas

  • Glencadam Riserva di Amarone — ein Highland-Single-Malt mit Amarone-Fassfinish, 46 % vol.
  • Millstone 2020/2025 Dutch Tulip Collection No. 6 — niederländischer Craft-Whisky, 5 Jahre gereift, im Amarone-Fass nachgereift, 53,7 % vol.
  • Caol Ila 2014/2025 – 1st Fill Amarone Barrique (Murray McDavid) — 11-jähriger Islay in Fassstärke, ebenfalls im Amarone-Fass nachgereift, 55,8 % vol.

Was ist eigentlich ein Amarone-Fass?

Amarone della Valpolicella ist ein kräftiger Rotwein aus dem Veneto, der aus getrockneten Trauben (dem sogenannten „Appassimento“-Verfahren) gekeltert wird. Durch das Trocknen konzentrieren sich Zucker und Aromen, bevor die Trauben vollständig durchgären – das Ergebnis ist ein dichter, alkoholstarker Wein mit intensiven Noten von Rosinen, dunklen Kirschen, Trockenfrüchten und einer leicht bitteren Schokoladigkeit. Fässer, in denen zuvor Amarone gereift ist, geben genau diese Aromatik an den Whisky weiter: warme Fruchtsüße, Trockenobst und eine samtige, weinige Tiefe, oft kombiniert mit einer dezenten Tanninschärfe. Im Vergleich zu den geläufigeren Sherry- oder Portwein-Fässern ist Amarone in der Whiskywelt noch ein echter Exot – entsprechend gespannt war die Runde, als sich die gemeinsame Fassgeschichte der drei Abfüllungen offenbarte.

Unser Fazit

Ohne Vorwissen war der rote Faden zwischen einem schottischen Highlander, einem niederländischen Craft-Whisky und einem torfigen Islay erstaunlich schwer zu erraten – und genau das machte die Auflösung am Ende des Abends so unterhaltsam. Ein Beweis, dass ein und dasselbe Fass auf ganz unterschiedlichen Whisky-Grundlagen völlig verschiedene Ergebnisse hervorbringen kann.

Slàinte mhath!