Verkostungsbericht · Nosing & Tasting
Exklusives von Glen Scotia
Drei Abfüllungen aus Campbeltown im Schillergarten Dresden — vom PX-Finish über die neue Saga-Serie bis zum 20 Jahre gereiften Einzelfass.
Zum September-Tasting ging es in den Schillergarten nach Dresden-Blasewitz, direkt ans Blaue Wunder — thematisch aber nach Campbeltown. Die kleine Hafenstadt an der Westküste war um 1900 unter dem Namen „Whiskyopolis“ bekannt, mit mehr als dreißig Brennereien auf engstem Raum. Heute sind davon drei übrig, eine davon ist Glen Scotia, gegründet 1832. Drei Abfüllungen sollten zeigen, was den maritim-öligen Hausstil ausmacht — und wie er sich mit den Jahren im Fass verändert.
Die Auswahl im Glas
- Glen Scotia Double Cask — der Einstieg: gereift im First-Fill- Bourbonfass, danach zwölf Monate im Pedro-Ximénez-Sherryfass nachgereift. Mit 46 % vol und ohne Kühlfiltrierung abgefüllt, süße Dörrfrucht und Gewürznoten über der salzigen Campbeltown-Grundierung.
- Glen Scotia Campbeltown Saga No. 1 „Whiskyopolis“ — der Auftakt einer neuen limitierten Serie, die genau an jene Blütezeit erinnert. Jahrgang 2011, 14 Jahre gereift in medium getorften First-Fill-Bourbonfässern, 50 % vol — rauchig, maritim, ohne Farbstoff und Kühlfiltrierung.
- Glen Scotia 20 Jahre, Einzelfass zum 10-jährigen Jubiläum von deinwhisky.de — der krönende Abschluss: 2005 destilliert, über zwei Jahrzehnte im First-Fill-Bourbonfass, in natürlicher Fassstärke von 59,6 % vol abgefüllt und auf 123 Flaschen limitiert. Ursprünglich aus stark getorftem Malz gebrannt, doch nach zwanzig Jahren ist der Rauch fein eingebunden und lässt Vanille, braunem Zucker und heller Frucht den Vortritt.
Unser Fazit
Ein Abend mit klarer Dramaturgie: Alle drei Abfüllungen stammen aus derselben Brennerei, und trotzdem lag zwischen dem ersten und dem letzten Glas eine ganze Welt.
Der Double Cask war dabei die eigentliche Entdeckung — schlicht das beste Preis-Leistungs-Verhältnis des Abends, und in der Runde waren sich viele einig, dass sie den jederzeit wieder im Glas hätten. Die Saga No. 1 punktete mit ihrem zurückhaltenden Rauch: nicht plakativ torfig, sondern subtil eingewoben und gerade deshalb ausgesprochen angenehm. Der 20-Jährige schließlich zeigte, was zwei Jahrzehnte im Fass mit stark getorftem Malz anstellen — der Rauch verschwindet nicht, er tritt einen Schritt zurück. Luxuriös war er zweifellos, den Preis aber aus unserer Sicht nicht ganz wert.
Dass am Ende ausgerechnet die günstigste Abfüllung des Abends die meisten Fürsprecher fand, ist vielleicht die schönste Erkenntnis dieses Tastings.
Slàinte!
