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Verkostungsbericht · Nosing & Tasting

Asiatischer Herbstflirt

Drei Länder, drei Kontinente, ein Abend im Körnergarten — unser Oktober-Tasting führte von Tasmanien über Sichuan bis nach Bangalore.

Zum Oktober-Tasting trafen wir uns im Körnergarten in Dresden — geschmacklich ging es aber weit weg von Schottland. Unter dem Motto „Asiatischer Herbstflirt“ standen drei Abfüllungen aus Ländern im Glas, die man noch vor wenigen Jahren kaum mit Single Malt in Verbindung gebracht hätte: Australien, China und Indien. Drei Brennereien, drei Klimazonen — und die Frage, wie viel Herkunft man eigentlich schmeckt. Elf Teilnehmer waren dabei, sechs davon haben ihre Eindrücke ausführlich notiert.

Ein Clubmitglied präsentiert am Tisch im Körnergarten Dresden eine Flasche Laizhou Single Malt, daneben die türkisfarbene Geschenkverpackung
Oktober-Tasting im Körnergarten Dresden

Die Auswahl im Glas

  • Callington Mill Invicta — der Einstieg aus Tasmanien: Die junge Brennerei in Oatlands steht neben einer historischen Windmühle aus dem 19. Jahrhundert. Gereift in portugiesischen Likörweinfässern — Ruby, White und Tawny Port sowie Madeira —, abgefüllt mit 46 % vol. In der Nase Honig, Pfirsich, Pflaumenmus und Dörrobst, am Gaumen leicht und fruchtig mit Heu-, Gras- und Kräuternoten, der Abgang eher kurz. Angenehm zu trinken, für manche aber etwas unprofiliert — im Schnitt 6 von 10 Punkten.
  • Laizhou Bourbon Cask Peated — der Polarisierer des Abends: Single Malt aus Qionglai in der Provinz Sichuan, einst erste Station an der Seidenstraße westlich von Chengdu. Aus getorftem Highland-Malz mit 30 bis 40 ppm gebrannt, ausschließlich in First-Fill-Bourbonfässern gereift und mit 50 % vol ohne Kühlfiltrierung abgefüllt. Rauch, Zitrone und süße Bonbonnoten in der Nase, am Gaumen mild mit Tabak und einem parfümigen Einschlag, der an chinesischen Baijiu erinnerte. Die Bewertungen reichten von 3 bis 8 Punkten — von „grantig“ bis „langer, süßer Abgang“ war alles dabei.
  • Amrut Cask Strength — der kräftige Abschluss aus Bangalore: Das heiße Klima Südindiens lässt den Whisky deutlich schneller reifen als in Schottland. Ungetorft, im Bourbonfass gereift, ohne Farbstoff und Kühlfiltrierung in Fassstärke von 61,8 % vol abgefüllt. Eine echte Fruchtbombe: Honigmelone, Ananas, Pfirsich und Papaya, dazu Malz, Honig, Kokos und scharfe Gewürze, der Abgang lang und wärmend.

Unser Fazit

Der Sieger stand schnell fest: Mit durchschnittlich 8,2 Punkten setzte sich der Amrut deutlich vor die beiden anderen. Vollmundig, vollaromatisch und mit einer Fassstärke, die zwar spürbar war, sich aber für die meisten schön eingebunden zeigte — nur einzelnen war es dann doch etwas zu viel Alkohol.

Der Callington Mill machte als Einstieg eine ordentliche Figur, blieb aber eher im Hintergrund. Für die meisten Gespräche am Tisch sorgte der Laizhou: Chinesischer Single Malt war für viele von uns Neuland, und der eigenwillige, leicht parfümierte Charakter teilte die Runde. Den einen fehlte es an Tiefe und Nachhall, die anderen lobten gerade den milden Rauch und die überraschend sanfte Art — „niemals 50 vol%!“ stand auf einem der Notizzettel.

Dass Whisky längst eine Weltsprache ist, hat dieser Abend eindrucksvoll gezeigt — mit einem klaren Gewinner aus Indien.

Slàinte!